Griechenland, ein Flirt mit den Göttern

 

 

 

 

Gehe einmal im Jahr irgendwohin,

wo du noch nie warst.

 

- Dalai Lama


Erster Tag

 

Ein kurzer Flug, eine flotte Taxifahrt – und schon stehen wir mitten in Athen, unser Hotel ein idealer Ausgangspunkt für alles, was diese Stadt verspricht. Also schnell das Zimmer beziehen, einmal durchschnaufen, und schon kann’s losgehen zu einem ausgedehnten Orientierungsbummel. Neues trifft auf Altes, Antikes, überall, an jeder Ecke.

 

Es ist erstaunlich: Wir haben den Eindruck, dass jedes Loch, das man hier zu graben versucht, eine weitere hochinteressante antike Stätte ans Licht bringt. Zwischen Säulen, Steinen und Ausgrabungen wirkt die Stadt wie ein Geschichtsbuch, das sich selbst ständig weiter aufblättert.

Wir sehen den Tempel des Hephaistos, einen der best­erhaltenen dorischen Tempel Griechenlands, der so tut, als hätte er die letzten 2.500 Jahre einfach unbeschadet überstanden. Dann die Hadriansbibliothek, einst ein großer Wissensspeicher des römischen Kaisers Hadrian. Von dort schweift der Blick über die Römische Agora mit dem Turm der Winde, einem antiken Wetterhäuschen aus Marmor – praktisch ein 2.000 Jahre alter Wetterbericht. Und immer wieder schauen wir hinauf zur Akropolis, die über allem wacht wie eine geduldige Gastgeberin.

 

 

Gleichzeitig bummeln wir durch eine junge, wilde Metropole, geprägt von unzähligen Graffitis, urigen Kneipen und ebenso vielen Speiselokalen, die mit den köstlichsten Leckereien locken. Hungrig und durstig wie wir sind, nutzen wir das natürlich voll aus. Ein erster Teller, ein erster Schluck – und schon fühlen wir uns angekommen.

 

Zweiter Tag

 

Am nächsten Morgen sind wir früh auf den Beinen. Neugierig auf Reiseleiter und Mitreisende packen wir unsere Siebensachen in den Bus – und während Koffer, Taschen und erste Namen ihren Platz finden, entsteht eine spontane Kennenlernrunde.

Die Stadtrundfahrt bringt uns Athen näher, das antike ebenso wie das moderne. Beim Panathinaiko‑Stadion, Schauplatz der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit, legen wir unseren ersten Fotostopp ein. Der weiße Marmor glänzt so hell, dass man fast automatisch die Sonnenbrille nachjustiert.

 

 

Dann geht es weiter Richtung Akropolis. Der Aufstieg ist steinig, aber machbar – und wir tun so, als wären wir schon immer antike Tempelstufen hochgestiegen.

Oben erkunden wir die Anlage: die mächtigen Propyläen, das Tor zur heiligen Stätte; der Parthenon, der große Tempel der Athene; und gegenüber auf dem Hügel das Philopappos‑Monument, ein römisches Ehrengrab mit einer Aussicht, die sich nicht zu verstecken braucht, und für uns das schönste Gebäude, das Erechtheion.

 

 

Zwischendurch bleiben wir immer wieder stehen, fasziniert vom Blick auf die uns zu Füßen liegende Stadt. Athen breitet sich aus wie ein helles Häusermeer – und wir mittendrin, leicht außer Atem, aber glücklich.

 

Bevor wir den Felsen verlassen, besuchen wir das Akropolis‑Museum. Schon das Gebäude ist besonders: Es steht über einer Ausgrabung, und die gläsernen Böden geben den Blick frei auf uralte Mauern. Ein bisschen wirkt es, als würde die Geschichte sagen: „Bitte nicht stolpern, ich bin empfindlich.“

 

Wir beenden unseren Aufenthalt in Athen mit einem Bummel durch die Plaka, das volkstümliche Viertel unterhalb der Akropolis. Enge Gassen, kleine Läden, ein Kaffee im Schatten – genau das richtige Tempo nach so viel Geschichte.

 

 

Dann starten wir zur letzten Etappe des Tages: die Fahrt zum Korinthischen Golf. Am Korinthischen Kanal machen wir Halt, fotografieren die schmale Schlucht und vertreten uns die Beine. Der Kanal ist so eng, dass man sich fragt, ob Schiffe vorher Maß nehmen müssen.

Unser Strandhotel empfängt uns schließlich mit Meeresluft und Abendlicht. Die Energie reicht gerade noch für einen kurzen Spaziergang am Wasser – aber das Meer nimmt’s uns nicht übel.

 

Dritter Tag

 

Gleich nach dem Frühstück starten wir unseren Tag mit der Fahrt nach Epidaurus. Dort wartet eines der schönsten und besterhaltenen antiken Theater Griechenlands auf uns.

Die Akustik ist legendär: Ein geflüstertes Wort unten soll man oben noch hören können. Das kleine Museum daneben zeigt Heilkunst, Kultobjekte und die Geschichte des Asklepios‑Heiligtums, das einst Pilger aus dem ganzen Mittelmeerraum anzog.

 

 

Weiter geht’s Richtung Golf von Argos. In Nafplio, der einstigen Hauptstadt Griechenlands, schlendern wir durch die Altstadt: venezianische Fassaden, enge Gassen, kleine Plätze. Alles wirkt ein bisschen wie ein mediterranes Schmuckkästchen, das jemand besonders liebevoll arrangiert hat. Man könnte hier problemlos den ganzen Tag vertrödeln – aber unser Programm ruft.

 

 

Wir erreichen schließlich die Ausgrabungen von Mykene, einem einst mächtigen Stadtstaat der Bronzezeit. Durch das imposante Löwentor treten wir ein und steigen hinauf zu den Ruinen der Palastanlage. Die Zyklopenmauern wirken, als hätten Riesen sie gebaut, und die Geschichte von Agamemnon und Helena schwingt leise mit. Einmal mehr genießen wir einen weiten Blick über die hügelige Landschaft – golden, warm, ein bisschen zeitlos.

 

Auf dem Rückweg zu unserem Strandhotel kommen wir am sogenannten Grab des Agamemnon vorbei, dem Schatzhaus des Atreus. Natürlich halten wir an, um ihm die Ehre zu erweisen. Die riesige Tholos mit ihrer hohen Steinkuppel beeindruckt selbst nach einem langen Tag.

 

Vierter Tag

 

Auf nach Sparta!

Schon unterwegs über schmale Bergstraßen, vorbei an unzähligen alten Olivenbäumen, lassen wir uns erzählen, warum das Heer der Spartaner so gefürchtet war: harte Ausbildung ab Kindheit, strenge Disziplin, wenig Platz für Bequemlichkeit. Während wir gemütlich im Bus sitzen, wirkt diese Lebensweise noch beeindruckender.

 

Wir erreichen Mystras und beginnen unsere Besichtigungstour in der Oberstadt. Zwischen Mauern, Treppen und Zypressen tauchen wir ein in die Zeit der byzantinischen Kaiser. Wir betreten die kleine Hagia Sophia, deren Fresken zu den Schätzen mittelalterlicher Kunst gehören. Dazu das Kloster Pantanassa, das einzige noch bewohnte Kloster der Anlage – ein stiller Ort mit weitem Blick über die Landschaft.