Israel - im Heiligen land

 

Reisetagebuch

 

 

 

 Reisen ist das Einzige, dass du dir kaufen kannst, das was dich reicher macht.

Viele Reisende wissen gar nicht,

was sie eigentlich suchen.

Aber sie wissen genau, wann sie es gefunden haben.

Erster Tag

 

Wie immer geht der erste Urlaubstag für die Anreise drauf, auch bei diesem Trip ist das nicht anders.

Eigentlich ist es aber diesmal sehr entspannt. Anfahrt, Flug nach Tel Aviv und Transfer zu unserem ersten Hotel, alles klappt reibungslos und wie am Schnürchen. Selbst die etwas strengeren Formalitäten bringen niemanden aus der Ruhe, sie gehen freundlich und mit einem Lächeln über die Bühne. So kommen wir ganz entspannt an, nehmen uns noch Zeit für eine ausgiebige Dusche bevor wir uns ein ausgezeichnetes Abendessen schmecken lassen.

Morgen geht es zeitig los, wir freuen uns darauf dieses Land und seine Menschen näher kennenzulernen.

 

Zweiter Tag

 

Früh um Acht haben wir bereits ausgiebig gefrühstückt und sind mit unseren Koffern abmarschbereit.

Wir brennen darauf, unseren Reiseleiter zu begrüßen. Endlich geht’s los, nach der ersten kurzen Vorstellung laden wir unsere Siebensachen in den Bus und starten unsere Stadtrundfahrt hier in Tel Aviv.

Wir sehen eine moderne und lebhafte Stadt, viele Häuser sind im Bauhausstil errichtet. Alle stehen unter Denkmalschutz und sollen unbedingt erhalten werden. In den Straßenzügen gibt es ganz viel Grün, Tel Aviv wurde als Gartenstadt konzipiert. 

 

 

Fast unbemerkt erreichen wir Jaffa, eine Stadt geht fast nahtlos in die nächste über.

Im Zentrum steigen wir aus um uns etwas umzuschauen. Wir besichtigen die St. Peters Church, bummeln etwas auf dem hübschen Stadtplatz. Jaffas Bevölkerung ist vorwiegend arabisch, erklärt uns Josef, man findet aber auch Juden und Christen, die alle friedlich zusammenleben.

Wir bewegen uns weiter die Küste entlang, die fast durchgehend mehr oder weniger dicht bebaut und besiedelt ist.

 

 

Gegen Mittag erreichen wir Caesarea. Hier interessieren uns die Ausgrabungen der alten Hafenanlagen. Einst von Herodes erbaut wurde der Hafen mehrmals durch Erdbeben und Kriege zerstört. Das Amphietheater, einst Arena für grausame Gladiatorenkämpfe, ist heute Schauplatz friedlicher Musikevents und das Herzstück der Anlage.

Auch die Ausgrabung des Hippodrom beeindruckt, fast meint man die letzten hitzigen Wagenrennen wären erst gestern gewesen...

 

 

In einem Drusendorf legen wir eine Mittagsrast ein bevor wir weiterziehen Richtung Haifa.

Wir bewundern die hängenden Gärten um die goldene Kuppel des 'Baha’i Shrine' und genießen den Blick vom Mount Carmel über die Stadt und den Hafen.

 

 

 

Nun erwartet uns noch Akko, hier schauen wir uns die historische Festung des gut erhaltenen Kreuzritterhafens an. Es ist schon dunkel, als wir unsere Besichtigung beenden, müde klettern wir in unseren Bus. Noch eine gute Stunde Fahrt und wir erreichen Kibbuz in Galiläa, wo wir die Nacht verbringen.

 

Dritter Tag

 

Wir beginnen den Tag mit einem Rundgang durch den Kibbuz 'Ginosar Village' und erfahren einiges über die Lebensweise dieser Gemeinden.

Dieser Kibbuz, in dem wir wohnen, ist privatisiert und hat daher nicht ganz so strenge Regeln. Beispielsweise ist Privatbesitz hier erlaubt und auch die Kinder leben bei ihren Eltern, im Gegensatz zu den streng konservativen Gemeinden.

Dort hat jeder akkurat das gleiche Haus und Einkommen. Die Kinder wachsen getrennt von den Eltern auf, wohl aber innerhalb der Gemeinde in einem speziellen, rund um die Uhr betreuten Kinderhaus. Alles Einkommen der einzelnen Mitglieder kommt dort der gesamten Gemeinde zugute, der Einzelne erhält lediglich ein Taschengeld, in der Höhe für jeden gleich.

Unser Spaziergang führt uns direkt zum See Genezareth, dieser liegt etwa 210 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Süßwassersee der Erde. Dort erwartet uns schon eins der Boote und wir fahren hinaus.

Wir gleiten dahin, lassen uns gefangen nehmen von der Historie dieses Platzes, fast meinen wir Jesus übers Wasser wandeln zu sehen. In der Ferne erblicken wir die Golanhöhen, am gegenüberliegenden Ufer die alte Stadt Tiberias. Im Jahr 1986 wurde am Seeufer ein uraltes Boot gefunden, als der Wasserspiegel während eines trockenen Jahres weit absank. Man datiert den Fund auf die Zeit, in der Jesu hier weilte. In einem aufwendigen Verfahren wurde das Boot konserviert und geborgen, um es der Nachwelt zu erhalten.

 

 

Wir klettern wieder in unseren Bus, der Berg der Seligpreisungen ist unser nächstes Ziel, einen Blick haben wir schon vom See aus darauf werfen können. Wunderschön angelegte Gärten, die von den Nonnen des angegliederten Klosters gepflegt werden, empfangen uns oben. 

Auf einer Anhöhe steht die gleichnamige Kirche. Der achteckige Grundriss ist Sinnbild für die acht Seligpreisungen. 

Hier soll Jesus einst seine Bergpredigt gehalten haben, und auch seine Jünger erwählte er hier.

 

 

Es ist nur ein kurzes Stück bis Tabgha. Der Name bedeutet „Ort der sieben Quellen“.

Über einer alten byzantinischen Kirche wurde hier die „Brotvermehrungskirche“ errichtet. Der Stein unter dem Altar hat eine ganz besondere Bedeutung: Darauf soll Jesus die Fische und Brote gelegt haben, die dort auf wundersame Weise vermehrt wurden, so dass 5.000 Menschen davon satt werden konnten.

 

 

Das Dorf Kapernaum am Westufer ist der Geburtsort des Petrus und eine weitere Wirkungs-und zeitweilige Wohnstätte von Jesus. Auch einige weitere seiner Jünger stammten aus diesem Dorf.

Grabungen förderten die Reste eines alten Fischerhafens zu Tage und eine Synagoge aus weißem Kalkstein aus dem späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert mit herrlichen, geschnitzten Säulen. Genau über den Ruinen des Hauses, in dem Petrus daheim war baute man 2008 die achteckige Petruskirche. In deren Mitte ist eine große Glasfläche, durch die man auf die Reste einer byzantinischen Basilika aus dem 5. Jahrhundert blickt. 

 

 

Mittlerweile hungrig geworden, kehren wir bei Magdala in ein Restaurant ein um den hier berühmten Petersfisch zu probieren, bevor wir zu unserem letzten Programmpunkt für heute aufbrechen.

Hinauf auf die Golanhöhen wollen wir, sehen was so heiß umkämpft war. Wir fahren stetig bergan, schon bald treffen wir auf die ersten Zeugen dieser immer noch schwelenden Konflikte. Ruinen von Soldatenunterkünften, Erdbunker, MG-Stellungen begleiten schon unseren Weg hinauf. Das Land beiderseits der Straße ist mit Stacheldraht gesichert, Schilder warnen vor Minenfeldern.

Wir kommen oben auf dem Mount Bental, einem erloschenen Vulkan im Nordosten der Golanhöhen, an. Zu sehen sind auch alte Schützengräben und Bunkeranlagen aus dem Krieg mit Syrien 1973. Die Aussicht ist strategisch wichtig und gleichzeitig atemberaubend schön. Irgendwie erinnert alles an den Krieg. 

Alles bis auf eins – dieser Blick! 

Josef, unser Guide, weist uns die Richtungen, Jordanien liegt zu unseren Füßen, rechts sehen wir den See Genezareth und Israel. Ein Wegweiser in der Mitte der Anlage gibt Richtung und Entfernung zu wichtigen Städten an. Bedrückend und beklemmend ist es hier oben, und doch wunderschön.

Bald ist unsere Zeit um, sie ist wie im Flug vergangen. Wir machen uns langsam auf den Rückweg zum Kibbuz, wo uns ein leckeres Abendessen erwartet.

 

Vierter Tag

 

Wir nehmen Abschied von unserem Kibbuzhäuschen und starten früh Richtung Nazareth.

Das einstige kleine Fischerdorf ist im Laufe der Zeit zu einer richtigen Stadt angewachsen. Vorwiegend leben hier arabische Christen, die Vororte bieten der jüdischen Bevölkerung ein Zuhause.

Wir wollen uns die Verkündigungskirche anschauen, die mit ihrer 37 Meter hohen Kuppel das Stadtbild prägt. Sie wurde an der Stelle erbaut, an welcher der Legende nach Erzengel Gabriel Maria die Geburt Jesu ankündigte. Die Ruinen von vier früheren Gotteshäusern wurden beim Bau integriert. Nach der Überlieferung befand sich der Ort der Verkündigung in einer Grotte, die wir im Innenraum des Gotteshauses sehen. Menschen beten vor dieser Grotte, schöpfen Kraft aus dem Glauben. 

Ganz besonders beeindruckend sind auch die herrlichen Mosaiken aus allen Ecken der Welt, die die äußeren Gänge der Kirche zieren.

 

 

Wir verlassen die Heimatstadt Jesu und fahren durch das Jordantal weiter. Das Land wird trockener und steiniger. Die Menschen hier ringen ihm dennoch Felder ab, hauptsächlich Dattelplantagen sehen wir. In Bet Alfa halten wir an um uns die byzantinische Synagoge anzusehen.

Vor allem der uralte Mosaikfußboden ist sehenswert, ein kurzer Film lässt uns an der vermutlichen Entstehungsgeschichte teilhaben.

Das Mosaik ist etwa 5 x 10 Meter groß, über 1.500 Jahre alt, und in einem hervorragenden Zustand. Es enthält schöne geometrische Formen und auch drei bildliche Darstellungen: die Bundeslade, darunter der astrologische Tierkreis und ganz unten die Opferung Isaaks.

 

 

Wir befinden uns mittlerweile im Westjordanland. Momentan ist es zwar ruhig, jedoch sind die jüdischen Siedlungen  alle mit Stacheldraht geschützt. Es gibt immer wieder Unruhen, überall warnen Schilder vor Mienen. Der Krieg ist immer noch in den Köpfen, wenn auch die allermeisten Menschen nur in Ruhe leben wollen.

Unsere Mittagsrast machen wir in einem palästinensischen Restaurant, bevor wir hinunter fahren nach Quasr el Yahud, wo sich nach der Überlieferung Jesus von Johannes dem Täufer taufen ließ. Auch wir strecken zumindest die Hände in den Jordan, einige Menschen tauchen auch ganz unter. Eine Gruppe Täuflinge in weißen Gewändern lauschen andächtig der Litanei eines Rabbi.

 

 

Schließlich steigen wieder hinauf auf die Anhöhe zu unserem Bus.

Die Stacheldrahtzäune an den Straßenrändern begleiten uns noch ein ganzes Stück. Wir rollen durch karges Land, kommen endlich am Toten Meer an. Das Wasser hier enthält zehnmal so viel Salz als das Mittelmeer, dazu verschiedene Mineralien. 

Wir erreichen unser Hotel, checken rasch ein und schnappen unsere Badesachen, um uns etwas im Salzwasser treiben zu lassen. Schwimmen klappt nicht, untergehen nicht und auch das 'über Wasser laufen' nicht. Also 'hocken' wir uns quasi ins Wasser und faulenzen, was auch mal Spaß machen kann, zumindest eine Zeitlang.

Bald aber sinkt die Sonne und nach einer ausgiebigen Dusche stürmen wir das leckere Buffet.

 

Fünfter Tag

 

Auf nach Jerusalem, das ist heute die Devise des Tages.

Einen Halt haben wir allerdings noch eingeplant: Masada, die sagenumwobene Festung des Herodes. Mit der Seilbahn gelangen wir hinauf, die Römer damals hatten es weniger einfach...

Der Tafelberg am Rande der Negef-Wüste, auf dem die Zuflucht liegt, ragt 450 Meter über dem Toten Meer auf und ist schier uneinnehmbar. Zwei Paläste, Villen, Synagoge, Magazine, Zisternen, Thermen, Küchen - hier oben fehlte es seinerzeit an nichts, dieser Herodes war wirklich ein geschickter Feldherr und Baumeister…

Die jüdischen Zeloten hielten der römischen Belagerung 70 n. Chr. drei lange Jahre stand. Als der Ansturm nicht mehr aufzuhalten war, türmten die Belagerten innerhalb der Festung Berge von Essen, Wasser und Waffen gut sichtbar für die hereinströmenden Römer auf. Die Männer gingen dann heim um einen gemeinschaftlich gefassten, grausigen Beschluss umzusetzen: Sie ermordeten ihre Familien, dann sich gegenseitig, bis nur einer übrig war, der dann Selbstmord beging.

So fanden die Römer eine menschenleere Festung vor und sie verstanden, dass die Eingeschlossenen den Tod aus freien Stücken der Sklaverei vorgezogen hatten. Überliefert wurde die Geschichte von zwei Frauen und  fünf Kindern, die sich zwischen den Mauern versteckt und so das Massaker überlebt hatten.

Wir nehmen wieder die Seilbahn für den Abstieg und nach einer kurzen Mittagspause machen wir es uns im Bus gemütlich und lassen uns gen Jerusalem schaukeln.

 

 

Bald schon kommen die Ausläufer dieser riesigen, geschichtsträchtigen Stadt in Sicht.

Wir fahren auf den Ölberg hinauf, genießen den Blick auf diese Stadt zu unseren Füßen. Kaum können wir uns sattsehen, besonders die goldene Kuppel des Felsendoms zieht den Blick magisch an. 

 

 

Josef drängt uns etwas zur Eile, die „Kirche der Nationen“, auch 'Todesangstbasilika' genannt,  erwartet uns und der Garten Gezehmane, wo Jesus die letzten Stunden vor seiner Verhaftung verbrachte. 

Einige der Olivenbäume hier sollen weit über 1000 Jahre alt sein und aus der Wurzel eines Baumes stammen, unter dem Jesus um Beistand betete. Schaut man diese zerklüfteten Stämme an, kann man schon glauben, dass er vielleicht noch unter einem von ihnen saß...

Im Inneren der Kirche befindet sich ein Stein, auf dem Jesus gebetet haben soll, während die Jünger wachten.

Langsam schwindet die Sonne. Etwas müde geworden und voller neuer Eindrücke suchen unser Hotel, checken ein und gönnen uns etwas Ruhe.

 

Sechster Tag

 

Der Machne-Yehuda-Markt lockt uns zeitig wieder raus aus dem Hotel und rein in die Stadt.

Vor den Verkäufern türmen sich Früchte, Gemüse, Fleisch, Fisch, Tee, einfach alles, was man zum Leben braucht oder zu brauchen meint. Die Menschen eilen geschäftig von Stand zu Stand, um sich für den morgigen Sabbat einzudecken. Die meisten Menschen sind schwer bepackt mit Tüten, Taschen oder Körben, jeder scheint es irgendwie eilig zu haben.

Wir lassen uns eine Weile im Strom treiben, schauen hier, probieren dort eine Leckerei, genießen das bunte Treiben.

Irgendwann spuckt der Markt uns wieder aus, wir brechen auf zu neuen Zielen.

 

 

Unser nächstes Ziel ist das Israel-Museum. Dieses zählt zu den führenden Kunst- und Archäologie-Museen der Welt und ist auch  das größte Museum des Landes.

Bevor wir das Innere betreten, bestaunen wir ein maßstabgetreues Modell der Stadt zur Zeit Jesu. Sehr gut zu erkennen ist der damalige Stadtaufbau, viele historische Plätze und Gebäude stehen ja bis heute und sind Teil unserer Erkundungszüge. 

 

 

 

Zu den Highlights des Hauses gehört der 'Schrein des Buches', hier sind die Fragmente der Schriftrollen vom Toten Meer, die erst 1947 gefunden wurden. Diese Schriftstücke sind die ältesten biblischen Handschriften der Welt. 

 

 

Angemessen beeindruckt verlassen wir das Museum und fahren vorbei am israelischen Parlament zur Holocaust-Gedenkstätte „Yad Vashem“.

Dort befinden sich Tausende Dokumente und Unterlagen  über die Leidensgeschichte der Juden während und nach dem Holocaust. Diese Gedenkstätte wurde 1953  gegründet, um die Geschichte des Holocaust zu dokumentieren und aufzuarbeiten. 

Im historischen Teil werden unzählige Einzelschicksale vorgestellt und belegt mit Bildern, Filmen,  Briefen, Kunstwerken, Dokumenten und oft auch persönlichen Gegenständen. 

Wir laufen durch den „Boulevard der Gerechten der Völker“, über 2000 Bäume sind hier gepflanzt worden und mit den Namen der Menschen versehen, die unter Lebensgefahr Juden vor dem Tod retteten in dieser dunklen Zeit. 

Es gibt eine Namenshalle und auch den 1,5 Millionen ermordeter jüdischer Kinder ist ein eigener, sehr ergreifender Gedenkplatz gewidmet. 

Schwer zu verstehen und auch schwer zu ertragen war es, diese Stätte zu besuchen, aber bereuen wir es nicht.

Doch wer Israel auch nur annähernd verstehen will, sollte hier gewesen sein...

 

 

Als letzten Programmpunkt für heute haben wir uns eine Fahrt nach Bethlehem, heute im Westjordanland gelegen und somit muslimisch geprägt, vorgenommen. Wir passieren die 'Separation Wall', die das Autonomiegebiet von Israel trennt und die uns irgendwie an die Berliner Mauer erinnert, ohne größere Probleme.

Nach einem leichten Mittagessen wollen wir die Geburtskirche Jesu besuchen, erbaut im Jahr 333 n. Chr. und somit zu den ältesten Kirchen der Welt gehörend.

Durch die nur 1,20 Meter hohe 'Demutspforte' betreten wir das Gotteshaus, unter dem sich die Höhle, in der Jesus einst geboren wurde, befindet. 

Der Prunk innerhalb der Kirche steht im krassen Gegensatz zur Einfachheit der Geburtsgrotte, in die wir nach gut einstündigem Anstehen endlich eintreten können.

Viel zu schnell geht unser Moment vorbei, schon drängen die nächsten Pilger nach. Es ist unglaublich, welche Menschenmassen sich durch diese kleine Kirche schlängeln…

Diese Kirche ist Griechisch-Orthodoxen ebenso heilig wie Armeniern, Katholiken und Protestanten.

Als wir hinaustreten geht die Sonne bereits unter, der Muezzin ruft zum Gebet. Islam, Christen- und Judentum sind hier nahe beieinander und doch auch wieder nicht.

 

Siebenter Tag

 

Wir haben noch lange nicht genug von Jerusalem, ziehen gleich nach dem Frühstück los. Der Bus bringt uns zur Altstadt, wir betreten sie durchs Jaffa-Tor, wollen sie zu Fuß erkunden. Heute ist Sabbat, die Geschäfte im jüdischen Viertel sind also geschlossen und es ist angenehm ruhig. Das ändert sich jedoch rasch, je näher wir der Grabeskirche kommen, umso mehr Menschen aller Nationen sind hier auf der Via Dolorosa unterwegs. Diese Gasse schlängelt sich durch das muslimische und das christliche Viertel und ist die bedeutendste heilige Stätte des Christentums. Sie besteht aus den 14 Stationen des Leidenswegs Christi und beginnt beim kaum erhaltenen Amtssitz des Pontius Pilatus und endet in der Grabeskirche.

 

 

Fast 1700 Jahre alt gilt die Grabeskirche als eine der heiligsten Stätten der christlichen Welt, steht sie doch an dem Ort, an welchem Jesus gekreuzigt und begraben wurde, und von dem er nach drei Tagen auferstanden ist.

Im Inneren selbst herrscht großes Gedränge, Menschen knien und beten rund um den Salbungsstein, auf dem der Leichnam Christi auf die Beerdigung vorbereitet wurde.

Sechs Konfessionen teilen sich dieses Gotteshaus, diese Glaubensvielfalt spiegelt sich im Innern wieder. Wir arbeiten durch geschichtsträchtige Kapellen und Schreine im Innern, es gleicht einer Reise zurück in der Zeit.

Fast etwas widerwillig verlassen wir den heiligen Ort.

 

 

Auf dem Dach der Schweizer Niederlassung des Malteserordens legen wir eine Pause ein. Wir erklimmen das Dach desselben, von dort oben haben wir eine tolle Sicht auf die Stadt.

 

Durch die engen Gassen schlendern wir bis zur Klagemauer, sie ist für Juden ein Zeichen für den Bund Gottes mit dem Volk Israel und ihnen daher heilig. Täglich kommen viele Menschen hierher um zu beten und kleine, handgeschriebene Zettel mit Gebeten und Herzenswünschen in die Mauerritzen zu stecken.

Auch wir dringen bis zur Mauer vor, berühren sie mit einer gewissen Ehrfurcht, jeder Stein hier atmet Geschichte…

 

 

Wir reißen uns los, wollen eine kurze Mittagsrast einlegen, bevor wir uns von unserem Fahrer und Führer verabschieden. Den Rest des Nachmittags haben wir zur freien Verfügung, wir beschließen noch ein oder zwei Stunden durch den Basar zu streifen, bevor wir uns ein Taxi zum Hotel nehmen.

Noch ein letztes Mal genießen wir das tolle Abendbuffet hier, morgen früh werden wir zum Flughafen in Tel Aviv gebracht und treten die Heimreise an.