Nepal und Tibet -

Traumreise zum Dach der Welt


 

Reisetagebuch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Steigst du nicht auf die Berge,
so siehst du auch nicht in die Ferne.

 

Fernöstliches Sprichwort

Erste Woche, erster Tag

 

Nach schier endlos scheinenden 22 Stunden Reisezeit sind wir endlich in Kathmandu gelandet. Es empfängt uns eine quirlige Stadt, in der neben dem Handy die Autohupe das meistgenutzte Kommunikationsmittel zu sein scheint. Ein kleiner, wendiger Bus, der gerade eben unserer kleinen Reisegruppe nebst Gepäck Platz bietet, bringt uns in halsbrecherischer Fahrt durch den mörderischen Verkehr zielsicher zu unserem kleinen Hotel inmitten der Altstadt. Nach einem Begrüßungstee nach Nepali-Art brechen wir zu einem ersten Orientierungsspaziergang auf.

Hier tobt das Leben, die Atmosphäre nimmt uns sofort gefangen! Überall in den engen Gassen herrscht dichtes Gedränge. Große und kleine Menschen, Ziegen, Hunde und anderes Getier wuseln wild durcheinander und versuchen sich nicht von Autos, Mopeds oder Eselskarren überrollen zu lassen. Händler, Taxi-und Rikschafahrer werben lauthals um Kunden, Barbiere und Zahnärzte arbeiten nahezu auf offener Straße.

 

 

Wir laufen umher bis fast zur Erschöpfung, erst dann besinnen wir uns auf unsere körperlichen Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Dusche, in dieser Reihenfolge.

Wir kehren ein in ein kleines Lokal und bestellen unser erstes nepalesisches Essen. Doch dann, welch Schreck, das ganze Haus fängt plötzlich an zu schwanken und ein leises Grollen erfüllt die Luft! Da wir dem Alkohol noch nicht sehr reichlich zugesprochen haben und alle anderen Menschen aufgeregt hinauslaufen begreifen wir, das ist ein Erdbeben...Gott sei Dank geht  der Spuk hier recht glimpflich ab und so können wir unsere Mahlzeit doch noch genießen.

 

Zweiter Tag

 

Nach einem fremdartigen aber nahrhaften Frühstück und einigen Erklärungen brechen wir auf zu neuen Taten. Wir haben einen längeren Fußmarsch vor uns zum Pashupatinath-Tempel, einem großen Heiligtum der Nepali. Kaum zu glauben was wir auf unserem Weg alles zu sehen bekommen, Kinder in adretten Uniformen auf ihrem Weg zur Schule, noch schlafende Fahrer in ihren Rikschas, Händler, die ihre Läden öffnen, Bettler schlafend am Wegrand, Müllautos, die ihre Fracht kurzum im heiligen Fluss versenken und und und...

Die drückende Hitze wird langsam mörderisch und der Durst steigert sich fast ins Unerträgliche. Dann endlich erreichen wir den Tempelbezirk.

Es ist kaum zu glauben, hier können wir Verbrennungszeremonien beobachten und rituelle Waschungen, die direkt nebeneinander abgehalten werden, Mönche, bettelnde Kinder, Affen, Kühe, Hunde und ungezählte Tauben wuseln in einem wilden, bunten Durcheinander umher.

 

 

Wir steigen den heiligen Tempelberg bis ganz nach oben. Im Schatten eines Baumes ausruhend genießen wir einen fantastischen Blick auf die Tempelanlage und die Stadt.

 

 

Nach einer kleinen Erholungspause machen wir uns an den Abstieg und auf den Weg zum Bodnath-Tempel, Weltkulturerbe und einem weiteren großen Heiligtum.

Auch hier umfängt uns das Leben in all seinen Facetten. Unzählige Gebetsfähnchen flattern im Wind und überall drehen große und kleine, alte und junge Menschen an den vielen Gebetsmühlen. Andere verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung und dem Verkauf von Mandalas und anderen kleinen und großen Andenken.

 

Dritter Tag

 

Endlich...heute geht’s hinauf aufs Dach der Welt! Wir fliegen über die Achttausender den Himalaja nach Lhasa. Kaum gelandet, machen wir erste Bekanntschaft mit den umfangreichen Formalitäten und Durchsuchungen der chinesischen Zollbehörden, wo auch gleich all unsere tibetischen Reiseführer konfisziert werden. Irgendwie bringen wir das hinter uns ohne uns die Laune verderben zu lassen und brechen guten Mutes mit unserem Minibus auf.

Wir verlassen den Flughafen auf einer überraschend gut ausgebauten Straße entlang des Tsangpo-Flusses in Richtung Tsetang, wo wir die Nacht verbringen. Unterwegs halten wir gelegentlich am Straßenrand um erste Panoramablicke auf die grandiose Bergwelt zu genießen.

 

Vierter Tag

 

Gleich nach dem Frühstück brechen wir wieder auf zum Fluß, wo wir mit einer Fähre übersetzen zum Samje-Kloster. Die Überfahrt ist wegen der Untiefen lang und mühsam, bietet jedoch wunderschöne Ausblicke auf die unberührte Natur hier.

 

 

Hier erfahren wir zum ersten Mal, was gemeint ist mit dem "Expeditionscharakter" unserer Reise. Die Straße zum Kloster ist kaum mehr als eine schlammige Schotterpiste. In unserem kleinen Gefährt "schweben" wir über den ungefederten Sitzen, so tief sind die Schlaglöcher.

Wir bewegen uns langsam durch eine schroffe Landschaft von eigentümlicher Schönheit, durch Bauerndörfer die noch sehr ursprünglich wirken. Hier lebt noch das alte Tibet, der chinesische Stempel ist an diesen abgeschiedenen Orten nicht oder jedenfalls kaum spürbar.

 

 

Endlich erreichen wir das einsam in den Bergen liegende Kloster. Die Mönche heißen uns herzlich willkommen in ihrer Welt, sind aber mittlerweile auch durchaus geschäftstüchtig geworden. Vor allem das Fotografieren müssen wir teuer bezahlen.

 

 

Wir bekommen einen ersten Eindruck vom Buddhismus, der sich bei unserem nächsten Etappenziel, der Festung Yumbu Lagang, die wir über einen schmalen Bergpfad mit ungezählten Stufen erreichen, noch vertieft wird.

 

 

Der Aufstieg fordert unsere letzten Reserven, die ungewohnte Höhe von über 3 600 Metern, in der wir uns seit gestern bewegen, macht uns zu schaffen. Dennoch, die Mühe hat sich gelohnt, nach der Besichtigung genießen wir einen wunderbaren Ausblick ins Tal und auf die umliegenden Dörfer.

 

 

Wieder unten angekommen fallen wir müde, aber voller neuer Eindrücke in die Sitze unseres Busses und machen uns auf den Rückweg nach Tsetang, wo wir noch das Kloster Tangboche besuchen wollen.

 

                                                                                                                                                                                       

                                                                                                                                                                                         nach oben

 

Fünfter Tag

 

Wir nehmen Abschied von Tsetang und starten heute sehr früh mit unserem gesamten Gepäck nach Lhasa, ehemaligem Sitz und Heimat des Dalai Lama, dem geistigen Vater aller Tibeter. Kürzlich erst wurde von den Chinesen eine neue Straße fertig gestellt, ebenso eine gigantische Bahnlinie bis Peking. So erreichen wir Lhasa, welches rasant wächst, in relativ kurzer Zeit. Auf den ersten Blick erwartet uns eine aufgeräumte Stadt, sehr stark chinesisch geprägt. Wir sehen viele große Hotel-und Bankpaläste hier, das chinesische Militär ist überall.

 

 

Nach dem Besuch der von Deutschland und den USA geförderten Blindenschule "Braille Without Borders" checken wir in unserem Hotel ein und starten wenig später voller Neugier zu einer ersten Orientierungsrunde.

Gemütlich wandern wir auf dem Pilgerpfad "Barkor", durch die verwinkelten Gassen der Altstadt. Hier finden wir es wieder, das alte Tibet, jedoch auch schon viel Kommerz. Auch hier, am wichtigsten und bedeutendsten Pilgerort des Landes ist das chinesische Militär überpräsent.

 

Sechster Tag

 

In der Früh klettern wir halbwegs ausgeruht und verwöhnt von unseren gemütlichen Hotelbetten wieder in unseren Minibus, heute wie auch noch in den nächsten vier Tagen nur mit kleinem Gepäck, will heißen Tages-und Fotorucksack. Erstes Etappenziel für heute ist das Drepung-Kloster. Wie so oft in diesem Land müssen wir uns die Besichtigung über viele Treppen erst erarbeiten, was in dieser Höhe gar nicht so leicht ist.

 

 

Nach einem guten Mittagessen und einer kurzen Ruhepause sind wir bereit für den Besuch des Sommerpalastes in den Gärten von Norbulingka. Hier können wir das Studierzimmer des 14. Dalai Lama sehen, wo er einige Jahre lang von Heinrich Harrer unterrichtet wurde. Wir stehen ehrfürchtig vor dem Thron und dürfen auch durch die Wohnräume schlendern, jedoch nicht fotografieren.

 

 

Weiter geht’s zum Kloster Sera, einem der vier großen Gelbmützenklöster in Tibet.

Es wurde 1419 gegründet und zählt zu den wenigen noch im Original erhalten gebliebenen Heiligtümern im Land. Wir haben Glück und können der schönen Zeremonie "tanzende Mönche" beiwohnen. Natürlich tanzen sie nicht, die Bewegungen sollen an eine altüberlieferte Zeremonie erinnern, wie die Mönche in früheren Zeiten ihre Schüler unterwiesen.

 

Siebenter Tag

 

Die Klosterstadt "Ganden" steht heute auf unserem Programm. Sie liegt ca. 60 km von unserem momentanen Standort Lhasa entfernt und wurde wie so Vieles während der Kulturrevolution nahezu komplett zerstört. Der Wiederaufbau ist noch nicht ganz abgeschlossen, dennoch beeindruckt uns der anhand alter Pläne, Zeichnungen und Schriften neu erstandene Komplex sehr.

 

 

Gegen Mittag treten wir den Rückweg entlang des Kyichu-Flußes an. Wir durchfahren eine faszinierende Landschaft und können Fischer ebenso beobachten wie Schäfer, Schweine- und Jakhirten mit ihren Tieren.

Auf der Höhe von etwa 3800 m, auf der wir uns hier meist bewegen, wachsen noch Gräser und Bäume, z.B. Birken oder Pappeln, die uns in ihrer Wuchsform jedoch entfernt an Olivenbäume erinnern.

 

Zur Großansicht bitte doppelklicken!
Zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Die meisten der Klöster liegen weit oben in den Bergen, Ganden beispielsweise auf 4600 m, hinauf führen schmale, gewundene Serpentinen. Auf-und Abstieg oder Fahrt sind immer abenteuerlich. Einmal mehr kommen wir sicher zurück nach Lhasa und für morgen früh haben wir endlich die ersehnten Eintrittskarten für den berühmten Potala-Palast.

 

 

Wer sein Haus verlässt und nach Wissen sucht,
der wandert auf Gottes Pfaden,
und wer reist, um Wissen zu finden, dem wird Gott das Paradies zeigen.
                              

                                                                                                     Aus dem Koran

 

Die erste Woche ist wie im Flug vergangen, Zeit für eine kleine Pause...                                       Hier geht's nach oben

 


Zweite Woche, achter Tag

 

Quer durch die Stadt Lhasa, 3683 m hoch gelegen und im 7.Jahrhundert gegründet, dem spirituellen und politischen Zentrum Tibets, gelangen wir zur majestätischen Anlage des Potala-Palastes hoch oben thronend auf dem Berg Marpori.

Dieses gigantische Gebäude, ehemalige Residenz des Dalai Lama und Sitz der Gottkönige dominiert das ganze Tal und auch die Stadt Lhasa.

Als eines weniger Heiligtümer entging er der Zerstörung während der Kulturrevolution und ist vollständig erhalten geblieben (und besser bewacht als Fort Knox).

Im Innern fühlen wir uns zurückversetzt in die Zeit des Heinrich Harrer, der auch hier in diesen prächtigen Mauern seiner Lehrtätigkeit nachging.

Sehr zu unserem Verdruss genehmigt die chinesische Regierung gerade mal eine Stunde Zeit für die Besichtigung, was bei der beeindruckenden Größe von Potala sehr wenig ist.

So gerne hätten wir länger hier verweilt um die Schätze und den Geist des Dalai Lama auf uns wirken zu lassen.

 

 

Noch ganz unter dem Eindruck dieses gewaltigen Bauwerks machen wir uns auf zum Jokhang-Tempel, mitten im Zentrum der Stadt.

Jokhang, gegründet im 8.Jahrhundert ist der bedeutendste Pilgerort in ganz Tibet,

das Zentrum des "Lhasa-Mandalas". Der "Barkor" (Pilgerpfad rund um den Tempel), ist ständig bevölkert von Pilgerströmen aus dem ganzen Land, die hierher kommen zum Beten und Opfern.

 

Neunter Tag

 

Noch etwas verschlafen klettern wir heute früh in unser Vehikel und starten zum sagenumwobenen Nam Tso See, der etwa 190 km in südwestlicher Richtung von Lhasa auf einer Höhe von 4700 m in einer herrlichen Hochgebirgslandschaft liegt.

Nun ja, was soll ich sagen, in der Nacht gab es oben heftige Schneefälle und so endet unser so schön geplanter Ausflug vorzeitig. Die tibetischen und chinesischen Ordnungshüter waren sich einig und haben die Passstraße wegen der schlechten Witterungsverhältnisse kurzerhand für alle Fahrzeuge gesperrt. Unsere Enttäuschung ist groß, dennoch müssen wir einsehen, dass Sicherheit hier Vorrang hat. Trotzdem haben wir einige Eindrücke dieser Landschaft im Bild festgehalten um sie mit heim zu nehmen.

 

 

Auf der Rückfahrt nach Lhasa nutzen wir die Gelegenheit, eine einheimische Familie zu besuchen. Diese gastfreundlichen Menschen haben uns eingeladen, ihr neu gebautes Haus, auf das sie sichtlich stolz sind, zu besichtigen.

 

Zehnter Tag

 

Nun müssen wir endgültig Abschied nehmen von Lhasa und brechen auf nach Gyantse. Die Fahrt dorthin führt uns über drei hohe Pässe, von denen der knapp 5000 Meter hohe "Karo-La" der höchste ist. Unterwegs haben wir das Vergnügen einen Blick zu werfen auf den "Türkis-See oder Yamdrok Tso ", einer der vier heiligen Seen Tibets.

 

 

Oft muss unser Fahrer abbremsen auf den Passstraßen um Schlaglöchern, Hangabbrüchen oder aber Schafen, Jaks und Rindern auszuweichen. Wir erblicken heilige Schneeberge ebenso wie ein Pärchen der sehr seltenen Schwarzhalskraniche in dieser nahezu unberührten Natur. Manchmal streifen wir auch kleine Bauerndörfer, die allesamt sehr einfach, aber erstaunlich sauber und adrett wirken, sieht man von dem unvermeidlichen Staub einmal ab.

 

Zur Großansicht bitte doppelklicken!
Zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Nachmittags kommen wir in Gyantse an und nach dem Quartiernehmen bleibt noch Zeit für einen ersten Orientierungsspaziergang. So recht hab ich aber heute keine Freude dran, die Höhenkrankheit macht mir wieder zu schaffen, obwohl Gyantse "nur"

auf 3850 m hoch liegt. Das Auf und Ab der Passstraßen fordert hier wohl seinen Tribut.

 

Elfter Tag

 

Die Stadt Gyantse liegt an einer früheren Karawanenkreuzung und hat sich den Charme einer tibetischen Kleinstadt bis in die heutige Zeit bewahrt.

Mühsam erklimmen wir den Festungsberg zum "Gyantse Dzong" oder auch "alten Fort". Oben werden wir zu unserer bitteren Enttäuschung von einem chinesischen Beamten abgefangen, der uns mitteilt, hier oben würde wieder aufgebaut und während der Arbeiten seien Besichtigungen verboten. Einige einheimische Arbeiter geben uns grinsend und mit Händen und Füßen zu verstehen, wir sollten doch einfach warten, bis der Beamte seinen Mittagsschlaf hält, dann würden sie uns einlassen. Das war uns jedoch etwas suspekt und so stiegen wir unverrichteter Dinge wieder hinunter, jedoch nicht ohne einige schöne Aufnahmen von Festung und Talblick.

 

 

Der Baiju-Tempelkomplex mit dem "Palkhor Chöde Kloster", den wir anschließend besuchen entschädigt uns etwas, sehen wir hier doch viele schöne Malereien und Kunstdarstellungen auf unseren Weg hinauf auf dem "Gyantse-Kumbum Tschörten", dem in der buddhistischen Welt einmaligen Pilgerpfad mit seinen unzähligen Kapellen aus dem 15.Jahrhundert, welcher von den Verwüstungen der Kulturrevolution verschont geblieben ist. Wir treffen viele Pilger auf unserem Weg, die uns Fremden alle sehr freundlich begegnen.

 

Zur Großansicht bitte doppelklicken!
Zur Großansicht bitte doppelklicken!

Zwölfter Tag

 

Aufbruch nach Shigatse. Wir planen einen Abstecher nach Shalu ein, wir wollen dem dortigen sehr interessanten Kloster einen Besuch abstatten. Diesmal sind uns die Wettergötter wohlgesonnen, alles verläuft weitgehend planmäßig.

Nach der offiziellen Führung bleibt uns noch genügend Zeit Dorf und Kloster ausgiebig alleine zu erkunden und seine Menschen etwas kennen zu lernen.

 

zur Großansicht bitte doppelklicken!
zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Am Nachmittag dann kommen wir in Shigatse an und beziehen unsere wirklich sehr schönen Zimmer. Fast glauben wir, man will uns hier noch mal so richtig verwöhnen bevor wir dann endgültig ganz weit nach oben kommen, wo die Quartiere wohl sehr einfach sind.

Die Lust auf eine Tasse Tee treibt uns aus dem Hotel. Wir schlendern durch die Basare und geraten unversehens in ein großes, buddhistisches Fest. Hier treffen wir viele Tibeter in verschiedenen Trachten, ganze Familien in froher Erwartung, singend, betend, essend und trinkend. Sie kampieren auf einem großen Platz vor dem Kloster "Tashilhumpo" und wir staunen mit weit offenen Augen.

 

 

An einer Bus-und Lastwagenstation an der wir vorbeilaufen, bekommen wir einen Eindruck davon, wie echte Tibeter reisen...Randvoll gestopft mit Menschen und Tieren sind die Gefährte, weiteres Gepäck wird auf dem Dach verschnürt. Uns als Durchschnittsmitteleuropäer mutet das Ganze doch sehr abenteuerlich an.

 

 

Wir werden langsam müde und treten den Rückweg zu unserem Hotel an. Unterwegs entdecken wir noch eine große, überdachte Markthalle. Hier wird feinstes Gemüse, Pilze, Fleisch aller Art zerlegt oder am Stück, Hühner, Gänse und anderes Getier lebend oder tot feilgeboten. Hier lernen wir ein wenig davon, wie die Menschen hier leben und sich ernähren.

 

Dreizehnter Tag

 

Wir wollen den heutigen Tag in Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets und Sitz der Panchen Lamas verbringen. Vor allem der riesige Tempelkomplex Kloster Tashilhumpo mit seinen weithin sichtbaren goldenen Pagodendächern und der riesigen, 26 m hohen und ebenfalls goldenen Buddhastatue interessiert uns sehr. Der Tempel wurde 1447 vom ersten Dalai Lama gegründet und fungiert bis heute als Grabstätte der Panchen Lamas.

Wir durchstreifen den Tempelbezirk und staunend lauschen wir dann dem beruhigenden Sing-Sang und Tanz, den die Mönche anlässlich des drei Tage andauernden Festes aufführen.

 

 

Dann machen wir uns auf den Pilgerweg "Lingkor". Er führt uns auf den "Berg des Glücks" hoch über Shigatse. Der Aufstieg ist sacht und wir halten immer wieder staunend inne, so schön ist der Blick auf die Stadt und den Tempel.

 

Vierzehnter Tag

 

Nun geht’s noch mal so richtig bergauf, bewegten wir uns in die letzten Tage in einer Höhe von ca.3600-3800 m., so geht es heuer auf dem berühmten Friendship-Highway über den "Lakpa-La-Pass (5200m)" und zwei weiteren, kaum niedrigeren Pässen bisTingri. Wir bekommen heute unsere Feuertaufe, will heißen, wir knacken zum ersten Mal die magische Fünftausender-Grenze.

 

Zur Großansicht bitte doppelklicken!
Zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Und dann erblicken wir ihn das erste Mal, wenn auch noch von fern... Chomolungma oder Mount Everest, den höchsten Berg der Erde.

 

 

Mit leichtem Kopfweh kommen wir in Tingri an, beziehen Quartier und starten umgehend zu einem längeren sehr schönen Marsch über die umliegenden Berge und durch den kleinen, landwirtschaftlich geprägten Ort. Die Dorfbewohner samt ihren Kindern begegnen uns sehr freundlich. Vor allem die Kleinen freuen sich sehr über kleine Geschenke aus unseren Taschen.

 

 

Oh, es ist ein gar charmantes herrliches Ding ums Reisen ...
Reisen muß man, oder man kommt hinter nichts.
 

Voltaire

 

 

Schön, dass ihr am Ball geblieben seid...                                                                                                    Hier geht's hoch...

 


Dritte Woche, fünfzehnter Tag

 

Der große Tag ist endlich da... Das Highlight unserer Reise, der Besuch im Base-Camp Mont Everest! Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir über den "Lang-Pa-Pass", das Dorf Chong-Sang und erreichen das Kloster Rongbuk, der letzten Station vor dem Camp. Der ganze Weg ist eine Herausforderung für Mensch und Material. Eine schmale Schotterpiste mit unzähligen Löchern und Felsabstürzen führt steil hinauf. Etliche Male hält unser Fahrer an um die hinteren Türen, die immer wieder aufspringen, zu schließen oder er weicht verirrten Jaks und Ziegen aus.

Das letzte Stück der Strecke darf unser Bus nicht befahren, so steigen wir um in geländegängigere Fahrzeuge, die uns hinauf bringen. Zum vierten Mal mittlerweile zeigen wir unsere Pässe, Visa und Permits vor. Die Chinesen haben wohl Sorge, wir könnten den Berg einpacken und mitnehmen...

 

 

Oben angekommen erfahren wir, dass wir nur 40 Minuten verweilen dürfen hier um Camp. Vor ein paar Jahren habe eine Touristin hier oben die tibetische Flagge gehisst, erklärt man uns, das hat den chinesischen Beamten nicht gefallen und seither ist hier alles strengstens geregelt.

Der grandiose Anblick des höchsten Berges der Welt entschädigt uns für alle Strapazen. Ergriffen und atemlos stehen wir nur noch ehrfürchtig staunend da.

Viel zu schnell ist unsere Zeit vergangen und wir müssen zurück. Wir beschließen, die vier Kilometer zurück nach Rongbuk zu Fuß hinab zu steigen um diese grandiose Landschaft doch noch ein wenig zu genießen.

 

Sechzehnter Tag

 

Heute heißt es Abschied nehmen von den Achttausendern, wir genießen noch einen letzten Blick kurz nach Sonnenaufgang.

 

Zur Großansicht bitte doppelklicken!
Zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Wir brechen auf, das Wetter wird zusehends schlechter; nun verstehen wir den Ausspruch unseres Führers gut, der schon wiederholt bemerkte: "Wir haben glücklich", wurden wir doch bisher von der Sonne verwöhnt. Das will sich heute ändern! Auf der Fahrt über zwei weitere sehr hohe Pässe sehen wir auf dem letzten, dem "Thang-La (5214 m) ", den ersten Schnee unserer Reise, der uns bis in die Tingri-Ebene begleitet. Wenn es irgendwie geht, ist der Weg noch mühsamer als gestern. Die Piste ist mitunter kaum als solche erkennbar. Fahrer, die uns entgegenkommen, halten uns an um sich bei unserem Fahrer über den Zustand der Piste zu informieren. Wir wundern uns, mit welcher Sicherheit unser Herr Li trotzdem seinen Weg findet. Auf dem steilen Pfad hinauf haben wir manchmal Angst, auf der einen Seite ragt der Fels in die Höhe, auf der Anderen fällt die Schlucht fast senkrecht in die Tiefe...

 

 

"Höllenschlund" wird dieser Abschnitt genannt und er verdient seinen Namen durchaus.

Die Landschaft hier ist grandios. Schluchten, die endlos in die Tiefe fallen, dabei sehen wir noch nicht die Spitzen der Berge, die sich schneebedeckt in den Himmel recken.

Wir fahren stetig bergab und je tiefer wir kommen, umso mehr verändert sich das Landschaftsbild. Bäume gibt es wieder, Sträucher und Blumen. Fast tropisch mutet dieses Tal, in das wir hinab fahren, an und nach der Kargheit des Hochgebirges wunderschön.

 

Zu Großansicht bitte doppelklicken!
Zu Großansicht bitte doppelklicken!

 

In dem kleinen Grenzstädtchen Zhangmu verbringen wir unsere letzte tibetische Nacht jedoch nicht ohne es ausgiebig zu erkunden. Wir machen Bekanntschaft mit Menschen und Tieren, genießen die laue Luft und die wunderschöne tropische Pflanzenwelt, die uns hier umfängt.

 

Siebzehnter Tag

 

In der Frühe nehmen wir Abschied von Tibet und verlassen Zhangmu in Richtung Grenze. Schon unterwegs bringen wir einige Kontrollen hinter uns. dann die Grenze selbst...ein Erlebnis der Sonderklasse! Nach vier weiteren Kontrollen und Kofferdurchsuchungen, bei denen besonders nach Büchern und Reiseliteratur gefahndet wird und etlichen Diskussionen haben wir es endlich geschafft. Wir überqueren zu Fuß eine schmale Brücke, die über eine enge Schlucht führt, unser gesamtes Gepäck im Schlepptau. So kommen wir wieder in Nepal an. Hier sind die Einreiseformalitäten problemlos und rasch erledigt.

Wir klettern allesamt in einen kleinen Minibus, der seinem Namen alle Ehre macht. Unser Gepäck reist gut verschnürt auf dem Dach. Polternd bewegen wir uns im Kriechgang über eine Straße, die ihren Namen kaum verdient durch das landschaftlich traumhafte Kathmandu-Tal. Die Aussicht ist in jeder Minute berauschend, ebenso die Düfte und Geräusche des immer dichter werdenden Regenwaldes. Auf und Ab, über kleine Wasserfälle, vorbei an Erdrutschen und Hangabbrüchen, Schlaglöchern, die kleine Seen sind, Hühnern, Ziegen und durch kleine Dörfer führt unser Weg. Zu unserem großen Bedauern können wir hier kaum Fotostops einlegen, es ist einfach zu gefährlich. Etliche Stunden sind wir unterwegs bis wir schließlich Dhulikhel erreichen, welches hier in diesen Bergen Kathmandus 2000m hoch wie ein Adlerhorst liegt.

 

 

Wir nehmen Quartier in einer sehr hübschen Lodge mit fantastischer Aussicht auf das Tal und bei klarem Wetter auf den Himalaya-Hauptkamm. Gutgelaunt starten wir zu einer ersten Entdeckungstour durch das kleine Städtchen. Alte Häuser finden wir, enge Gassen, freundliche große und kleine Menschen, die uns gerne für ein Foto posieren.

 

 

Es gibt einen sehr hübschen kleinen Tempel hier, den wir ausgiebig erkunden.

Stundenlang streifen wir durch die Gassen und entdecken immer wieder Neues, einen randvollen Bus mit winkenden Nepali, sogar noch dicht gedrängt auf dem Dach sitzen sie, kleine Läden mit allen möglichen Waren, Marktstände mit Obst und Gemüse, auch Schlachtereien und dazwischen die verschiedensten Tiere, massenweise sehr friedliche Hunde, Hühner und Ziegen, ein paar Rinder und Schweine, die an einem Trog gemeinsam ihren Hunger stillen.

Langsam wird es dunkel und wir treten den Rückweg zu unserer Unterkunft an, jedoch nicht ohne den spektakulären Sonnenuntergang im Bild festzuhalten.

 

Achtzehnter Tag

 

Wir freuen uns auf einen weiteren schönen und geruhsamen Tag hier in Dhulikhel. Gestärkt von einem nahrhaften Frühstück machen wir  uns ganz gemütlich an den Aufstieg über ca.700 Stufen zum großen Buddha "Shanti Ban" und zum Kali-Tempel. Unterwegs begegnen uns viele Menschen in ihren besten Kleidern, die reich geschmückte Tabletts mit Opfergaben vor sich her zu den Tempeln und Opferstellen tragen. Man feiert hier das "Vijaya-Dasham-Fest", das mehrere Tage dauert.

 

zur Großansicht bitte doppelklicken!
zur Großansicht bitte doppelklicken!

 

Auch Autos, Motorräder und Busse sind mit bunten Bändern reich geschmückt um den göttlichen Beistand zu erflehen. Für viele Tiere jedoch ist heute kein guter Tag, sie lassen als Opfergaben ihr Leben.

Auf dem Rückweg vom Tempel entdecken wir eine kleine Galerie mit schönen Gemälden die gleichzeitig auch ein niedliches Restaurant ist. Ganze zwei Tische gibt es und vor der Tür ein Schild mit der Aufschrift: "Good Food", was wir den Inhabern, die uns sogar mit ein paar deutschen Worten begrüßen, gerne bestätigen.

Nachmittags bummeln wir ein Stück durch die kleine Altstadt und suchen abschließend unseren Heimweg durch die ausgedehnten Reisfelder des Städtchens.

 

Neunzehnter Tag

 

Wir brechen auf zur letzten Station unserer Reise, die auch die Erste war, Kathmandu.

In der alten Königsstadt Bhaktapur, die zum UNESCO-Welterbe gehört, halten wir an.

Die Stadt, die sich ihren mittelalterlichen Charme und Charakter bis heute erhalten hat,

ist wegen des andauernden Vijaya-Dasham-Festes übervoll mit feiernden Menschen, die singend und musizierend durch die alten Gassen ziehen. Wir lassen uns treiben und bewundern die vielen äußerst kunstvoll gearbeiteten alten Holzschnitzereien, die sämtliche Häuser, Tempel und Pagoden in dieser wunderhübschen Stadt zieren.

Im Laufe des Nachmittags kehren wir nach Kathmandu zurück, wo wir wieder unser altes Hotel beziehen.

 

Zwanzigster Tag

 

Diese letzten Tage hier sind eigentlich als "Puffertage" gedacht, falls wir bedingt durch Erdrutsche oder Witterungseinflüsse verspätet hierher zurückkommen, jedoch haben es sowohl Wetter-als auch Reisegott recht gut mit uns gemeint und so bleibt uns Zeit heute noch den berühmten Affentempel oder "Swayambhunath" zu besuchen.

Wieder einmal erklimmen wir bei tropischer Hitze ganz viele Stufen. 365 sollen es diesmal sein...Schwitzend und außer Atem kommen wir oben an. Der Anblick des Tempels lässt uns die Strapazen rasch vergessen, zu schön ist dieser Ort und auch die Aussicht hinunter auf die Stadt. Etliche Affen und Hunde sind hier daheim, sie leben von den Opfergaben der Gläubigen nicht schlecht.

 

 

Abenteuerlicherweise fahren wir mit zwei kleinen Taxis zum Dubar Square. Die Wägelchen keuchen fast so sehr wie wir, sind sie doch mit drei bzw. vier Personen auf der Rückbank plus Fahrer und Beifahrer hoffnungslos überladen. Fast muss man uns herausschneiden bei der Ankunft, jedoch starten wir gut gelaunt zu einer Besichtigung des alten Königspalastes. 

 

Letzter Tag

 

Einige Stunden haben wir noch Zeit bis der Transfer-Bus kommt, der uns zum Flughafen bringt. Wir wolle sie nutzen für letzte Einkäufe und Besorgungen hier in Kathmandu, vielleicht auch noch eine letzte Tasse Tee trinken in unserem kleinen nepalesischen Restaurant, ein letztes Mal feilschen mit den Händlern hier um eine nette Kleinigkeit. Nur allzu schnell verfliegt die Zeit und wir müssen aufbrechen. Die Erinnerung aber wird uns immer bleiben.

 

Mögest Du warme Worte an einem kalten Abend haben,
Vollmond in einer dunklen Nacht
und eine sanfte Straße auf dem Weg nach Hause.
        
                                                                                         Irischer Segenswunsch

 

Geschafft... drum geht's hier wieder hoch und da zurück zu  "unsere Reisen".

Oder aber ihr folgt uns bis hinein ins tiefe Asien, nach Laos Vietnam und Kambodscha...