Oman, Auf Sindbads Spuren

 

Reisetagebuch

 

 

 

 

 

Die eigentlichen Entdeckungsreisen

bestehen nicht im Kennenlernen

neuer Landstriche,

sondern darin,

etwas mit anderen Augen zu sehen.

 

Marcel Proust


Erster Tag

 

Nach einem aufreibenden Flug, mit einem Zwischenaufenthalt von 7 Stunden in Doha, Katar, kommen wir ziemlich übernächtigt in Dubai an.

Wunderschön allerdings fanden wir den dortigen Flughafen. Hier wurden keine Kosten gescheut, sogar durch einen kleinen Dschungel kann man spazieren, vorbei an erfrischenden hohen Wasserwänden. Hier wird überaus deutlich was geht wenn Kosten keine Rolle spielen.

Dennoch sind wir froh, als es weitergeht und wir die Anreise nach Dubai dann endlich geschafft haben.

Der Transfer zum Hotel klappt prima und ist erfreulich kurz, so bleiben uns noch gute 2 Stunden Schlaf.

 

Zweiter Tag

 

Ein aufregender Tag liegt vor uns, wir wollen uns Dubai etwas genauer anschauen. Wir lernen unsere Reiseleiterin kennen, Rahema, aufgewachsen in Deutschland, mittlerweile im Oman daheim.

Dubai beeindruckt ungemein, hochmoderne Architektur trifft auf arabische Tradition. Wir lassen uns durch diese Mega-City kutschieren, die aus einer einstigen Perlenfischeroase entstanden ist. Wir staunen mit offenen Augen nicht nur den „Burj Khalifa“ an, das höchst Gebäude der Welt.

Natürlich darf auch ein Bummel durch einen der alten Suks nicht fehlen.

Am Nachmittag brechen wir auf nach Khasab, was auf der Halbinsel Musandam liegt. Der Weg ist das Ziel, die Strecke ist malerisch und wir schieben einige Fotostopps ein.

 

Dritter Tag

 

Heute früh erwartet uns erst mal eine etwas unangenehme Überraschung. Unsere für morgen geplante Fährüberfahrt ist gecancelt, wegen einer Sturmwarnung. Rahema ist eifrig am Umplanen um unsere Weiterreise zu organisieren.

Wir lassen uns den Tag aber nicht verderben, starten unverdrossen zum Fort von Khasab. 

Die Festung wurde im 17. Jahrhundert von den Portugiesen erbaut und thront majestätisch auf einem Felsen, von hier oben genießen wir einen tollen Rundblick.

Jetzt wird's ernst, mit Allradfahrzeugen geht es ab in die Berge. Die Straße schlängelt sich malerisch bis zum höchsten Punkt Musandams, dem 2087 Meter hohen „Jebel Harim“, dem Frauenberg.

Wir genießen grandiose Blicke auf die schroffe Bergwelt und Küstenlandschaft.

Mittags schauen wir uns das Ganze vom Meer aus an, wir haben eine traditionelle omanische Dhau gechartert, die uns gemütlich durch die Fjorde Musandams schippert. Wir genießen, entspannen uns und tanken Energie für die nächsten Tage.

Ein herrlicher Tag geht zu Ende, nach einem gemeinsamen Abendessen fallen wir müde in die Betten.

 

Vierter Tag

 

Notgedrungen beschließen wir auf dem Landweg nach Maskat zu kommen, unserem nächsten Ziel. Das ganze Unterfangen verspricht zumindest spannend zu werden.

Der Weg führt uns ein gutes Stück an der Küste entlang, durch Hoheitsgebiet der VAE, also wieder über die Grenze rein, ca. 2 Stunden Fahrt und wieder hinaus. Erneut reisen wir also in den Oman ein. Entgegen einiger Unsicherheiten gab es, wohl auch Dank Rahemas Begleitung und tatkräftiger Unterstützung keine größeren Probleme.

Hinter dem (hoffentlich) letzten Grenzübergang wechseln wir von unserem kleinen Bus in Allradfahrzeuge. Nun geht es in hohem Tempo über die neue Autobahn ab in Richtung Maskat.

Die Fahrt zieht sich hin, einige Fotostops lassen wir uns nicht nehmen. Auf der prima ausgebauten Straße kommen wir trotzdem flott voran. 

Gegen 19:30 Uhr erreichen wir endlich Maskat und fallen umgehend hungrig in einem Restaurant ein, noch bevor wir Quartier nehmen. Mit zunehmendem Sättigungsgrad regen sich unsere Lebensgeister, überrascht werden wir auch von unserem tollen Hotel, wo wir nun ganze drei Tage bleiben wollen und die Gegend erkunden. Wir freuen uns auf ereignisreiche Tage hier.

 

Fünfter Tag

 

Für heute haben wir eine ganztägige Erkundungstour hier in Maskat geplant.

Nach dem leckeren Frühstück klettern wir also gut gelaunt in unseren Bus und fahren zur prachtvollen „Sultan-Qaboos-Moschee“, dem religiösen Wahrzeichen des Oman. Entsprechend der strengen Vorschriften gewandet mit Bedeckung von Armen, Beinen und Kopf betreten wir die heiligen Hallen.

Der herrliche Bau vereint harmonisch unterschiedliche Epochen islamischer Tradition. Der Zugang erfolgt durch 3 Torbögen und eröffnet  den Blick auf das über 91 Meter hohe Hauptminarett. Zusammen mit den 4 anderen Minaretten an den Ecken symbolisiert es die 5 Säulen des Islams, Bekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten und Pilgerreise. Sehr sehenswert ist ein 4.263 Quadratmeter großer Teppich, der in mehreren Einzelteilen von 600 Knüpferinnen in 3 Jahren in Handarbeit gefertigt wurde. Der Teppich ist rund 22 Tonnen schwer und wird auf ca 5,5 Millionen Euro geschätzt. Der weltgrößte Kronleuchter findet sich ebenfalls hier und ist ebenso beeindruckend wie alles andere. Er wiegt mit den 1.122 Lampen und Swarovski-Kristallen mindestens 8 Tonnen bei einer Größe von 8×14 Metern. Der  Gebetsraum der Frauen hat Platz für 750 Gläubige, draußen haben weitere 8.000 Menschen Platz zum Freitagsgebet. Auch eine öffentliche Bibliothek  mit rund 20.000 Büchern fehlt nicht. 

Nach so viel Geschichte und herrlicher Architektur entspannen wir uns bei einem gemütlichen Bummel durch den Mutrah-Suk, haben reichlich Gelegenheit zum Einkaufen und Feilschen.

 

 

 

Nachmittags rollen wir weiter zum „Qasr-Al-Alam-Palast“ Regierungssitz seiner Majestät Sultan Qaboos, der umgeben ist von den beiden Festungen Mirani und Jalali, die im 16. Jahrhundert von den Portugiesen errichtet wurden.

Wir bewundern die blau-weiß-goldene Fassade und die kunstvoll gearbeiteten Mosaiken.

Den krönenden Abschluss des heutigen Tages bildet der Besuch des prunkvollen „Royal-Opera-House“, welches 2011 eröffnet wurde. Die Außenfronten sind verkleidet mit rosafarbenem Kalkstein aus der Omanischen Wüste. Reiche Holzschnitzereien schmücken das Innere der Oper. 

Nun haben wir genug Input für heute und lassen uns zum Hotel zurück kutschieren.

 

Sechster Tag

 

Wir machen uns zeitig auf den Weg in die Batina-Region zu Füßen des Hajar-Gebirges und recht fruchtbar. Ein Abstecher ist uns der neue und moderne Fischmarkt von Barka wert. Hier werden wir zufällig auch Zeuge einer Auktion, eine spannende, und sehr interessante Erfahrung.

Wir biegen ab ins Landesinnere, wollen einen Blick auf und in die mehrfach liebevoll restaurierte und im 17. Jahrhundert von omanischen Architekten komplett neu errichtete Festung „Nakhal“ werfen. 

Auf einem Felsen erbaut, welcher zugleich ins Innere integriert wurde, macht die Festung so besonders. Im angeschlossenen Museum sind historische Waffen und Möbel aus alter und neuerer Zeit zu sehen. Die Festung von Nakhal wurde viele Male restauriert und renoviert, zum bisher letzten Mal 1990.

 

 

So langsam melden sich nun auch „lebenserhaltende Bedürfnisse“, wir stoppen an einem „Lulu-Markt“ um Proviant zu kaufen. Bei den heißen Quellen von "Ain Al Thowarah" tun wir es den Einheimischen gleich, suchen uns ein schattiges Plätzchen im Grünen, lassen die Seele baumeln und machen Picknick.

Unser Weg führt uns weiter nach Rustaq, wo wir ein weiteres Fort besuchen wollen. Leider aber sind die Tore geschlossen, und wir können nur von außen einen Blick riskieren.

Wir trösten uns mit den nahegelegenen heißen Quellen von „Ain Al Kasfah“, bevor wir weiter fahren um uns die überaus beeindruckende Festung von Kasfah „Al Hazm Castle“ näher anzuschauen. Die Festung wurde von Sultan bin Saif II. erbaut, ab 1708. Es gab im Innern Gefängnisse, verschiedene Lagerräume für Lebensmittel, eine Küche, Wohnräume für den Imam und seine Frauen und eine Madrasa. Zahlreiche Geschützpforten mit Kanonen sorgten für Abschreckung und die Sicherheit der Bewohner.

Allmählich haben wir genug Input für heute und werden langsam auch müde. Der Tag neigt sich dem Ende zu und wir machen uns auf den Rückweg nach Maskat.

 

Siebter Tag

 

Nach einem ausgedehnten Frühstück laden wir unsere Siebensachen in allradgetriebene Geländewagen, es geht ins Gebirge, Richtung „Hajar-Massiv“. Der „Jebel Shams“, mit gut 3.000 Metern die höchste Erhebung des Landes, ist unser heutiges Etappenziel.

Einen ersten Stopp legen wir in Nizwa ein, der einstigen Hauptstadt des Landes. Hier besuchen wir den Suk und decken uns mit Datteln und Tee ein. Beides ist gut und günstig zu haben. Gemütlich schlendern wir hinüber zum Bahla-Fort, das wir ausgiebig besichtigen.

 

 

Schließlich fahren wir weiter, bis plötzlich vor uns die Ruinen eines Dorfes auftauchen, welches in den 50er Jahren aufgegeben wurde. Fasziniert erkunden wir die Ruinen von „Tanuf“ mit ihrem traditionellen Bewässerungssystem. Wir können erahnen, wie die Menschen hier früher gelebt haben. Ein Spaziergang durch Geschichte und Architektur einer vergangenen Zeit!

Die Straße windet sich stetig bergauf, die Landschaft ist von schroffer Schönheit. Immer wieder tauchen kleine palmbestandene Oasen zwischen den steinigen Hängen auf.

Beim alten Bergdorf Misfat halten wir erneut für einen Bummel. Berühmt ist der Ort für seine traditionellen, sich an die Klippen des Hajar-Gebirges klammernden Lehmziegelhäuser. Unterhalb des Dorfes liegen Dattelpalmen und Bananenplantagen in der Sonne, gespeist von einem Jahrhunderte altem Falaj-Bewässerungssystem  das noch immer seinen Dienst tut. 

Wir spazieren durch schmalste Gassen auf- und abwärts, über enge Treppen und schmale Pfade, bis wir schließlich wieder bei unseren Autos ankommen. 

 

 

Weiter geht die Fahrt über Al Hamra, einem traditionellen Bergdorf mit mehrstöckigen Lehmhäusern, die bis zu 300 Jahre alt sind. Mittlerweile sind die meisten Bewohner von Al Hamra in moderne Gebäude gezogen und der alte Stadtteil ist sich selbst überlassen.

Jetzt nehmen wir das letzte Teilstück unter die Räder, fahren bis zum Hochplateau des Jebel Shams und vor uns liegt der „Grand Canyon“ des Oman, der uns gebührend beeindruckt. Jetzt ist es nicht mehr weit, wir erreichen unsere Herberge binnen weniger Minuten, nehmen Quartier in geräumigen Bungalows.

Ein herrlicher Sonnenuntergang am Jebel Shams krönt diesen Tag, zusammen mit einem äußerst leckeren Abendessen.

 

Achter Tag

 

Frühmorgens brechen wir auf zum „Jebel Akhdar“, Omans grünem Berg. Jahrhundertelang kam man nur per Esel hinauf, auch heute noch ist der Weg steil, kurvig und beschwerlich. Nur Allradfahrzeuge sind zugelassen, trotz der gut ausgebauten Straße. Überhaupt überraschen die Straßen hier, alles ist groß, breit und prima in Schuss.

Ein Stop ist uns Jabrin Castle wert. Hier wollen wir uns etwas genauer umschauen. Jabrin wurde 1670 ursprünglich als Wohnschloss erbaut. Erst später wurden mächtige, bis zwei Meter dicke Wehrmauern und Kanonentürmen zugefügt. In den 1980er Jahren wurden Palast und Festung von Jabrin behutsam renoviert und erstrahlt in altem Glanz.

 

 

 

Auf unserem weiteren Weg eröffnen uns herrliche Blicke auf malerische Dörfer, gesäumt von üppigen Terrassen. Hier reifen Zitronen, Granatäpfel und Aprikosen.

Wir schauen ins „Wadi Ghoul“ und von Bahla nutzen wir die Gelegenheit zu einem Fotostopp, um die Festung einzufangen.

Auch die ursprünglichen Dörfer haben es uns angetan, die sich an die Steilhänge klammern. Wir besuchen „El Sharayjah“, schleichen durch engste Gassen, treppauf und treppab. Noch ein zweites Dorf erkunden wir, „Bayt Echaraf“. Hier gibt es auch ein kleines Museum, wir haben die Möglichkeit in eins der Häuser zu blicken, um zu sehen, wie die Menschen hier leben.

Die Sonne geht schon langsam unter und wir machen uns auf den Weg nach Nizwa, wir wir die Nacht verbringen.